Geschichte & Menschenrechte
Mein historisches Interesse gilt der Geschichte der Menschenrechte – und zwar dort, wo sie am widersprüchlichsten war: in den Kolonien. Meine Arbeiten zu Haiti und den Amerikas fragen, wie sich die Prinzipien von 1789 gegen ihre eigenen Urheber wenden ließen und wer überhaupt im Namen der Menschenrechte sprechen durfte.
Mir ist wichtig, dass diese Geschichte nicht nur über die Betroffenen erzählt wird, sondern auch von ihnen. Deshalb übersetze ich Autobiografien ehemals Versklavter ins Deutsche – Texte, die bislang nicht in deutscher Sprache vorlagen.
- Autor
- Philipp Hanke
- Verlag
- PapyRossa, Köln
- Erschienen
- 2. Auflage 2021
- Umfang
- Paperback, 158 Seiten
- Reihe
- Neue Kleine Bibliothek 245
- ISBN
- 978-3-89438-637-5
Revolution in Haiti
Vom Sklavenaufstand zur Unabhängigkeit
1791 begann im heutigen Haiti, der französischen Kolonie Saint-Domingue, ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung: der einzige erfolgreiche Sklavenaufstand der Geschichte. In ihm verdichteten sich die Widersprüche des Zeitalters, das den bürgerlichen Westen hervorbrachte, zur radikalsten Revolution der Epoche.
Die Prinzipien von 1789 entwickelten in der ertragreichsten Kolonie ihrer Zeit eine eigene Dynamik. Während französische Kolonisten mit aller Gewalt an der auf Sklaverei und Rassismus beruhenden Herrschaft festhielten, setzten die Sklaven mit ihrem Aufstand eine Entwicklung in Gang, welche das gesamte Modell europäischer Expansion westlich des Atlantiks negierte. Haiti wurde nach den Vereinigten Staaten der zweite unabhängige Staat in der neuen Welt und das erste Land, in dem per Verfassung Sklaverei und rassistische Diskriminierung verboten waren.
Philipp Hanke schildert die koloniale Welt von Saint-Domingue, die ideologischen Ursprünge und den Verlauf der Revolution sowie den Kampf der BürgerInnen Haitis um Unabhängigkeit, der bis heute nicht abgeschlossen ist.
- Herausgabe
- Philipp Hanke (Hg.)
- Verlag
- PapyRossa, Köln
- Erscheint
- Oktober 2026
- Umfang
- Pocketformat, etwa 120 Seiten
- ISBN
- 978-3-89438-877-5
Very sweet to be free
Die Geschichte der Mary Prince – Zeugnis einer Versklavten
1831 erschien in London ein Text, der die Öffentlichkeit spaltete: Mary Prince, auf Bermuda geboren und jahrzehntelang in der Karibik versklavt, legte als erste Schwarze Frau im British Empire ein Zeugnis über ihre Erfahrungen als Versklavte ab. Dies prägte die Debatte um die Abschaffung der Sklaverei im britischen Parlament entscheidend.
Ihr Bericht – von Susanna Strickland niedergeschrieben und von Thomas Pringle als Sekretär der Anti-Slavery Society redigiert – ist Autobiografie, Zeugenaussage und abolitionistische Kampfschrift zugleich. Er dokumentiert ihre Zwangsarbeit in den Salzsümpfen der Karibik sowie die Gewalt gegen Versklavte, aber auch Momente von Widerstand und Selbstbehauptung. Und den Weg in die Freiheit. Vor allem aber formuliert er eine Position, die so nicht vorgesehen war: den Anspruch einer versklavten Frau, als Mensch gehört zu werden.
Fast zweihundert Jahre blieb dieser Text des Schwarzen Atlantik dem deutschsprachigen Publikum unzugänglich. Diese Ausgabe bietet die erste deutsche Übersetzung samt einer Einleitung, die den Bericht in seinen literarischen und kolonialen Kontext einordnet – und danach fragt, was dieses Zeugnis für heute bedeutet.
- Übersetzung
- Philipp Hanke
- Ausgabe
- Vollständig, mit Einleitung und Kommentar
- Erstausgabe
- London 1789
Die interessante Erzählung vom Leben des Olaudah Equiano
oder Gustavus Vassa, dem Afrikaner. Von ihm selbst verfasst
Die erschütternde und zugleich inspirierende Lebensgeschichte des Olaudah Equiano ist eines der wichtigsten Zeugnisse des 18. Jahrhunderts. Als elfjähriger Junge wird er aus seinem Dorf in Afrika entführt und in die Sklaverei verkauft. In seiner packenden Autobiographie schildert er eindringlich die Schrecken der »Middle Passage« auf den Sklavenschiffen, seine Jahre als Sklave in den amerikanischen Kolonien, seinen späteren Weg in die Freiheit als Seemann der britischen Marine und seinen Kampf für das Verbot des transatlantischen Sklavenhandels.
Mit scharfer Beobachtungsgabe und literarischem Gespür beschreibt Equiano zwei völlig verschiedene Welten: seine afrikanische Heimat mit ihren reichen kulturellen Traditionen und das Europa der Aufklärung mit seinen Widersprüchen zwischen humanistischen Idealen und der brutalen Realität des Sklavenhandels. Seine Geschichte wurde zu einem Schlüsseltext der frühen Abolitionsbewegung.
Diese eingeleitete und kommentierte Übersetzung macht den vollständigen Text zugänglich. Equianos Autobiographie ist nicht nur ein erschütterndes Zeugnis menschlicher Grausamkeit, sondern auch eine Geschichte von erstaunlicher Widerstandskraft, Bildungshunger und der Sehnsucht nach Freiheit – zeitlos aktuell in ihrer Botschaft von der Würde und Gleichheit aller Menschen.
Menschenrechte
Versuch eines Neustarts · mit Anna Heesen
Woran die behauptete Universalität der Menschenrechte historisch scheitert – und was von ihr zu retten wäre.
Vorträge und Beratung
- Schauspielhaus Zürich
Historische Beratung und BegleitgesprächZu Necati Öziri: »Die Verlobung in St. Domingo. Ein Widerspruch« - Maxim Gorki Theater, Berlin
Vortrag und PublikumsgesprächZu Necati Öziri: »Die Verlobung in St. Domingo. Ein Widerspruch« - Grüne Jugend NRW
Workshop zu Kolonialgeschichte und MenschenrechtenPolitische Bildungsarbeit, mehrtägiges Format


